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12. Dezember: Findelkind-Bücher

Findelkind-Bücher

Das Beste im ganzen Lesejahr sind oft keine brandneuen Bestseller, sondern die Fundstücke auf die man (wieder)trifft, wenn man einfach mal in der Bibliothek stöbert. Hier die Top 3 der "Findelkind-Bücher":

1. Bei den Übersetzertagen, die im November bei uns in der Stadtbibliothek Reutlingen stattfanden, war Tobias Scheffel zu Gast und hat live an einem französischen Krimi gearbeitet. Oft stehen Übersetzer im Schatten der Autoren, aber in Bibliohekskatalogen werden sie ordentlich erfasst und so kann man nach den Namen suchen und entdeckt wie vielfältig die Arbeit ist. Denn es sind längst nicht nur Krimis darunter, sondern auch die genauso für Erwachsene empfehlenswerte zweibändige Jugendbuchreihe um "Vango".
Er ist als Findelkind auf den Äolischen Inseln aufgetaucht und versucht seiner geheimnisvollen Herkunft auf die Spur zu kommen. Aber genau deswegen wird er gejagt. Abenteuer und Krimi mischen sich mit geschichtlichem Hintergrund wenn Vango auf dem Eiffelturm klettert, als blinder Passagier im Zeppelin reist und auch noch Stalin in die Story verwickelt ist.

2. Und warum nicht mal wieder selbst was auf Französisch lesen? Damit es nicht ganz so schwierig wird fällt die Wahl auf ein Buch mit hervorragender Vokabelbeilage. Darin wird Vieles nicht übersetzt sondern auf Französisch in anderen Worten erklärt. "Un aller simple" von Didier van Cauwelaert wurde 1994 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet und ist doch ganz aktuell:
Aziz, ein Kleinkrimineller aus Marseille, wird "zurückgeführt" nach Marokko. Die Abschiebung wird medienwirksam als von Frankreich vorbildlich unterstützte Wiedereingliederung getarnt. Aber sie führt nur scheinbar in Aziz‘ Heimat - Zigeuner hatten ihn als Kind in einem Auto gefunden und ihm einen marokkanischen Pass beschafft. Ihm ist alles also ebenso fremd wie dem als Begleiter mitgeschickten französischen Beamten Jean-Pierre. Dieser hat ganz eigene Probleme, aber vor allem eigene Träume: er will eigentlich Schriftsteller sein und hat bei der Reise in den Hohen Atlas jede Menge Schreibstoff und wir Leser viel zu Lachen.

3. Last but not least muss bei "Findelkind"-Geschichten „Novecento“ von Alessandro Baricco genannt werden. Diesen schmalen Band kann man immer wieder lesen und sich auf’s Neue an der poetischen Sprache erfreuen. Danny Boodman T.D. Lemon Novecento wird am 1. Januar 1900 als Säugling auf einem Ozeandampfer gefunden. Dort verbringt er als Pianist sein ganzes Leben, an Land schaffte er es nie:
"Nicht das, was ich sah, hielt mich zurück, sondern das, was ich nicht sah. Es gab alles. Aber es gab kein Ende. Stell dir vor: ein Klavier. Die Tasten fangen an. Die Tasten hören auf. Man spielt sein Glück auf einer Klaviatur, die nicht unendlich ist. Das Land ist ein Schiff, das zu groß für mich ist. Es ist eine zu schöne Frau. Es ist ein zu starkes Parfüm. Es ist eine Musik, die ich nicht spielen kann."

J.Z.

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