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Zum Tode von Jürgen Schweier

Nachruf

Im Hermann-Kurz-Kabinett der Stadtbibliothek Reutlingen befindet sich mit über 300 Werken - eben jenes Autors – ein literarischer Schatz.

Zu verdanken hat Reutlingen dies dem Verleger Jürgen Schweier, geboren 1941 in Stuttgart, der nun am vergangenen Samstag den 25. Mai, in Kirchheim/Teck mit 82 Jahren verstarb.

2013 überließ Jürgen Schweier seine „Kurziana“ der Stadt Reutlingen – ca. 300 Bücher von und zu Hermann Kurz, drei Meter Schriftgut und einen Originalbrief. Seit den 70er Jahren hatte er Werke und Material über den Reutlinger Autor, Journalist, Demokrat und Realist gesammelt und im eigenen Verlag auch selbst wieder herausgebracht. Die beiden kulturgeschichtlich bedeutenden Romane „Schillers Heimatjahre“ und „Der Sonnenwirt“ hat er neu aufgelegt, ebenso das wundervolle Erzählbändchen „Bergmärchen“. Überhaupt hatten es ihm die beinah vergessenen schwäbischen Literaten angetan. Auf den Warmbronner Bauerndichter Christian Wagner stieß er ausgerechnet in den 70er Jahren in Kalifornien, wohin er nach seinem Studium der Germanistik und Anglistik in Tübingen und Stockholm gereist war und sich durchschlug, als Quellenbohrer, Apfelpflücker, Tankwart und Deutsch-Dozent. Zurück in der Heimat, war er fassungslos, dass die Werke Christian Wagners teilweise vergessen, vergriffen und jedenfalls nicht mehr im Handel erhältlich waren. Darüber wollte Schweier aber eben nicht nur jammern, sondern auch etwas tun – und er tat. Ohne jegliches Vorwissen, Erfahrung, Netzwerk oder gar Kapital, gründete er seinen eigenen Verlag in Kirchheim/Teck.

 

Neben den Werken von Hermann Kurz und Christian Wagner fanden sich in seinem kleinen, feinen und bibliophilen Verlagsprogramm Titel von Isolde Kurz, Emil Strauß, Wilhelm Schäfer, Dr. Owlglass (Tucholskys Brieffreund Hans Erich Blaich), Ludwig Tügel, Peter Strick und Peter Stühlen sowie Volkskundliches von Ernst Meier, August Holder und Maria Bidlingmaier. Für sein Programm und Engagement erhielt er im Jahr 2000 den Baden-Württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleine Verlage. Er war außerdem als Übersetzer vom Amerikanischen und Englischen tätig. So übersetzte er unter anderem den Fantasy Klassiker von Peter S. Beagle „Das letzte Einhorn“ neu und auch die „Wintergeschichten“ von Tanja Blixen.

 

Schweier ging es stets um die Literatur als „ein feiner, goldener Faden zu den Liebhaberinnen und Liebhabern der Bücher“ und nicht um den ökonomischen Erfolg. Bibliophil war sein Programm, die Werke ausgesucht, fein gesetzt und schön gedruckt. Und freilich, als Ein-Mann-Betrieb musste er finanziell immer kämpfen. Seinen Verlag hatte er altersbedingt schon vor einigen Jahren aufgegeben. Sein verlegerisches Werk kann man inzwischen nur noch antiquarisch und online erstehen – oder aber in der Stadtbibliothek Reutlingen erleben. Erst 2023, zum 150. Todestag Hermann Kurz‘ stand sein literarisches Werk wieder einmal im Mittelpunkt des städtischen Kulturlebens, das ohne das ambitionierte verlegerische Zutun Jürgen Schweiers so nicht möglich gewesen wäre.

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