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Charlotte Hornung: Let me poop in peace

Ausstellung
Wann 13.11.2026 um 19:30 bis
16.01.2027 um 14:00
Wo Galerie im 2. OG
Termin übernehmen vCal
iCal

Störung als Schwelle zwischen Zeichnung und Druckgrafik

Vollflächige Gewebestrukturen werden von zierlichen Rüsseltieren begleitet. Geometrische Konstruktionen fordern physikalische Gesetze heraus. Zwischen Ordnung und Chaos werden Lebensweisheiten verkündet und Fragen formuliert. Ein Hybrid zwischen Log- und Tagebuch dokumentiert Atmosphären, Begegnungen und Beobachtungen – doch immer wieder entziehen sich diese Momente ihrer ungestörten Aufzeichnung.

Ausgangspunkt aller Arbeiten ist die Zeichnung und das gezielte Perturbieren dieser: Auf chinesisches Reispapier mit dem Bleistift übertragen, wird sie von Hand der Kontur entlang gerissen. Eine Schablone entsteht in organischer, nur bedingt kontrollierbarer Form; Durch Bewegung während des Scanvorgangs werden Zeichnungen verzerrt und als veränderte, digitale Dateien festgehalten.

Der Prozess wird gestört – und beginnt seinerseits zu stören. Die Technik wird nicht als neutrales Werkzeug verstanden, sondern so manipuliert, dass sie selbst zur Akteurin wird. Jede Störung öffnet einen produktiven Zwischenraum zwischen Intention und Reaktion, zwischen Zeichnung und Druckgrafik. Die gestalterische Kontrolle wird dabei immer wieder abgegeben, aufgenommen und neu verhandelt. Es entsteht eine Schwelle zur unerwarteten Form. Die Störung zeigt sich beim Reißen als Verwilderung und Ausfransung der ursprünglichen Kontur. Beim Scannen provoziert sie eine Verzerrung der Fläche: Die Zeichnung wird gedehnt, gequetscht und räumlich verschoben. Die dabei entstehenden Störungen verändern nicht nur die Form der Zeichnung, sondern auch die ursprünglich aufgezeichnete Wahrnehmung selbst. Was passiert, wenn eine Figur aus der Form gerät? Wird sie albern, düster, fremd? Ab wann kippt sie ins Unleserliche? Der Wunsch nach ungestörter Aufzeichnung wird selbst zum Ausgangspunkt der Störung.


„Let me poop in peace“ versammelt eine fragmentarische Erzählung aus Zeichnung und Grafik von Charlotte Hornung. Das Buch ist von Hand gezeichnet und eigens ins Siebdruckverfahren übersetzt. Begleitend werden in der Ausstellung Druckgrafiken und Zines aus dem Archiv gezeigt.

Charlotte Hornung, 1991 in Reutlingen geboren, lebt und arbeitet als freie Druckgrafikerin in Berlin seit 2014.