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Empfehlungen Dezember 2015/Januar 2016

Unsere Mitarbeiter/-innen empfehlen - Dezember 2015/Januar 2016

Eine außergewöhnliche Annäherung an das Christentum

Kermani, Navid: Ungläubiges Staunen. Über das Christentum. C.H. Beck, 2015. - 302 S.

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Man könnte den Punkt auch wegslassen zwischen Haupt- und Untertitel. Es würde vielleicht sogar treffender zum Ausdruck bringen, was Navid Kermani, der Gottsucher, der Anders- oder Ungläubige, als den er sich sieht, in diesem Buch versucht. Eine staunende Annäherung aus muslimischer Sicht an das Christentum. Dabei ist er tief eingetaucht in die christliche Sprache, Religion, Kunst. Tiefer wohl als die meisten, die sich diesem Glauben zugehörig fühlen. Immer wieder glaubt man herauszuhören, er habe sich verliebt in das Christentum, so wie sich Paolo Dall'Oglio, der Jesuitenpater in Syrien, in den Islam verliebt hat – mit weit reichenden Konsequenzen. Die selbstlose, hingebende Liebe ohne Unterschied ist es, die Kermani am meisten bei den Christen überzeugt, die ihn essenziell trifft, die er gerne für sein Leben übernehmen möchte. Es gibt Elemente des Christentums, mit denen Kermani wie vermutlich alle Anders- und Nichtgläubigen Schwierigkeiten hat, und doch stellt er sich ihnen, setzt sich auseinander und ringt mit ihnen, beleuchtet sie, durchaus auch provokant, bisweilen schwer erträglich. Das Kreuz gehört dazu, die Gottessohnschaft, der Satz „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“ und das Abendmahl – zentrale Themen den Christentums. Manchmal findet er einen ganz eigenen, neuen Weg zu ihnen, versöhnt sich, macht sie zu „seinem Christentum“ und erkennt Größe, Reichtum und Schönheit des christlichen Geistes. Er fordert die Christen heraus, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen, mit dem viele durchaus nicht in allen Punkten einverstanden sind. „Gott lieben, Gott dienen wir aber, wo und wodurch immer wir jemanden um seiner selbst willen lieben, eine Sache um ihrer selbst willen tun.“

Man lernt Neues, lernt Simonida und Petrus Nolascus kennen, kommt ins Nachdenken, versetzt sich in Andersgläubige und Atheisten. Spannend ist Kermanis Annäherung über die christliche Bilderwelt (Caravaggio, Lachner, Zurbaràn, aber auch zeitgenössische Fotografien sind enthalten) an das Christentum, vermischt mit persönlichen Gedanken und Gefühlen dazu, und doch kenntnisreich. Er interessiert sich für die Geschichten, die Menschen der Bibel, für ihre Gefühle, ihre Charaktere, ihr Leben und setzt sie oft unmittelbar in Bezug zu seinem eigenen Leben. Er wertet und interpretiert, was er auf den Bildern sieht, er macht sich angreifbar mit seinen Sätzen. Das Mutterthema berührt ihn, berührt er ebenso wie die Elternschaft oder der gleichmütige Gehorsam Abrahams bei der Opferszene Isaaks. Spannend auch die Thomasbetrachtung mit einem brennenden Plädoyer für das Thomas-Evangelium, die Berufung des Matthäus, aber auch Themen wie Klage, Lust oder Schönheit. Am Ende wird es mit dem Flüchtlingsthema und dem Vergleich der Kreuzfahrer und Dschihadisten auch politisch und zeitnah. Im letzten Kapitel „Freundschaft“ schwingt sich Kermani unter Berufung auf den Heiligen Franziskus zu einem flammenden Plädoyer für eine tiefe mystische Verbindung zwischen den beiden Religionen auf. Ganz nebenbei ist es ein Spaziergang durch die christliche Kunstgeschichte in vierzig Bildern, durch Motive und Lebensthemen mit Zeitbezügen zum Jetzt. Ein ungewöhnliches, anregendes und überaus persönliches Buch des Friedensnobelpreisträgers, und gerne würde man noch mehr Bilder mit Kermanis Augen betrachten.

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Tanja Schleyerbach

Musik als Melting Pot

Extra-Deluxe-Supreme / Hazmat Modine. – Bremen: Jaro, 2015 – 1 CD

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Stile zu mixen ist in der Musik eine erprobte Methode, um wiederum neue Musik zu erfinden. Spätestens seitdem die Weltmusik die Bühnen und Zuhörer erobert hat, sind in allen anderen Bereichen der Musik die Grenzen gefallen. Es erscheint dabei fast mühelos, wenn sich ein Geigenvirtuose erfolgreich in die Rockmusik begibt oder sich ein Volkmusiker weit von seinen Wurzeln bewegt. Vielleicht sind es gerade die Jazzmusiker, die sich allen voran seit gut einem halben Jahrhundert den Einflüssen aus anderen Musikkulturen ernsthaft geöffnet haben. Die Zahl der gelungenen Beispiele für eine Synthese der verschiedensten Musikstile scheint mittlerweile unübersehbar. Und immer wieder gibt es hierfür neue Beispiele.

Die achtköpfige Gruppe Hazmat Modine kommt aus New York, und ihre Musik wurzelt im amerikanischen Blues und Folk. Ihre Besetzung, welche Blasinstrumente wie Saxophon, Trompete, Posaune und Tuba mit Harmonika, Gitarre und Drums kombiniert, erinnert in ihrem Sound zwar an traditionell orientierte Musik. Es ist aber die Stimme des Ton angebenden Sängers und Kopfes des Ensembles, Wade Schuman, die der Musik eine andere Aura verleiht. Das ist sphärischer Blues der Extraklasse!

 

11 famous songs tenderly messed up / Tobias Hoffmann Trio – Köln: Klaeng Records, 2015 – 1 CD05b_12_2015.jpg


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Einen anderen Charme versprüht die Musik des jungen deutschen Jazzgitarristen Tobias Hoffmann, die durch den unverkennbaren Klang seiner Gitarre besticht. Zwar dienen ihm auf seiner neuen CD 11 berühmte Songs als Vorlage für seine Musik, doch Hoffmann geht mit seinen musikalischen Partnern Frank Schönhofer (Bass) und Etienne Nillessen (Drums) ganz eigene musikalische Wege. Die Fülle seiner Ausdrucksmöglichkeiten ist groß, und die Klangwelten der drei Musiker entführen in neue Gefilde der Elektrifizierung. Verfremdung heißt hier das Zauberwort.

 

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Axel Blase

Vögel wider den Lagerkoller

Scheuer, Norbert: Die Sprache der Vögel. - C.H. Beck, 2015. - 237 S.

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Die Sprache der Vögel Afghanistans müsste der Titel eigentlich lauten. Und der Untertitel: Paul Arimonds Zeit im Krieg. Und dann sind wir mittendrin im Leben des Protagonisten Paul Arimond, der 2003 als Sanitäter der Bundeswehr nach Afghanistan kommt, in dem sein Urahn Ambrosius schon die Univerversalsprache der Vögel studiert und darüber Aufzeichnungen hinterlassen hat. Pauls Lichtblick im Lager mit vier Nationen sind die Vögel, seltene Exemplare, die er vom Turm aus beobachtet und für die er sogar einen Lagerausbruch mit dramatischen Folgen riskiert. Erst im Lauf der Tagebuchaufzeichnungen und Briefe wird Pauls Geschichte vollständig offenbar: seine Schuldgefühle Jan und dessen Mutter gegenüber, weil er das Auto gesteuert hat, in dem Jan schwer verunglückt ist. Seine verkorkste Beziehung zur Mutter, die undefinierte zu Teresa, seine Männerfreundschaft im Lager und nach dem Ausbruch seine Isolation, der Lageralltag und der Lagerkoller.

Es ist ein stilles, eher unscheinbares Buch, das die Folgen der Sinnlosigkeit und der Traumata des Krieges auf sehr subtile Art zum Ausdruck bringt am Beispiel des Paul Arimond, dessen dramatisches Hinübergleiten in eine surreale Welt erst gegen Ende zur vollen Entfaltung gelangt.

Norbert Scheuer hat sein Buch mit zahlreichen Vogelzeichnungen bereichert.

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Tanja Schleyerbach

Zwei Frauen auf dem Land

Hansen, Dörte: Altes Land. - Knaus Verlag, 2015.- 198 S.

Beschreibung von Stadt- und Landleben auf witzige und unterhaltende Weise, mit einem Schuss Spannung. Das ist das gelungene Rezept der Autorin.

Vera kommt als Flüchtlingskind 1945 ins Alte Land und wird es auch nie wieder verlassen. Sie ist eigenwillig, intelligent und interessiert sich nicht dafür, was andere von ihr denken. Sie lebt in einem viel zu großen Bauernhaus, das sie im Laufe der Jahre verfallen lässt. Irgendwann zieht ihre Nichte Anne mit ihrem Sohn Leon bei ihr ein, und das große Haus wird mit Leben erfüllt.

Es gibt in diesem Roman noch viele andere traurige und lustige Geschichten mit ihren besonderen Personen. Dadurch ist die Handlung immer abwechslungsreich und spannend zugleich. Man liest das Buch in einem Zug durch und lacht dabei viel, zum Beispiel wenn die Autorin von Vollwert-Müttern redet, die im Bio-Supermarkt einkaufen. Die Sprache ist schön, das Buch ist prima. Einfach lesen.

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Beate Reichmann

Zwei Frauen auf dem Land

Hansen, Dörte: Altes Land. - Knaus Verlag, 2015.- 198 S.

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Beschreibung von Stadt- und Landleben auf witzige und unterhaltende Weise, mit einem Schuss Spannung. Das ist das gelungene Rezept der Autorin.

Vera kommt als Flüchtlingskind 1945 ins Alte Land und wird es auch nie wieder verlassen. Sie ist eigenwillig, intelligent und interessiert sich nicht dafür, was andere von ihr denken. Sie lebt in einem viel zu großen Bauernhaus, das sie im Laufe der Jahre verfallen lässt. Irgendwann zieht ihre Nichte Anne mit ihrem Sohn Leon bei ihr ein, und das große Haus wird mit Leben erfüllt. Anne ist aus der Stadt geflohen, nachdem sie sich von dem Vater ihres Sohnes getrennt hat. Man könnte denken, dass diese zwei Frauen gescheitert sind, aber sie entwickeln eine eigene Dynamik.

Es gibt in diesem Roman noch viele andere traurige und lustige Geschichten mit ihren besonderen Personen. Dadurch ist die Handlung immer abwechslungsreich und spannend zugleich. Man liest das Buch in einem Zug durch und lacht dabei viel, zum Beispiel wenn die Autorin von Vollwert-Müttern redet, die im Bio-Supermarkt einkaufen. Die Ironie von Dörte Hansen hat auch sicherlich in der Darstellung von Stadt- und Landleben einen Funken Wahrheit. Die Sprache ist schön, das Buch ist prima. Einfach lesen.

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Beate Reichmann

Zweimal Kunst

Baucheron, Elea, Routex, Diane: XXL. Kunst, die den Rahmen sprengt. - Prestel, 2014. - 176 S.

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Nicht kleckern, sondern klotzen: Dieses Buch der erfolgreichen französischen Autorinnen Éléa Baucheron und Diane Routex stellt zeitgenössische prominente Vertreter der modernen Kunst unter einem ganz speziellen Aspekt vor, nämlich dem der Größe. Monumentalkunst zieht sich durch die ganze Kunstgeschichte. Was aber treibt heutige Künstler zum Arbeiten im XXL-Format? Dieser Kunstband gibt einen Einblick in die Monumentalwerke von zeitgenössischen Künstlern wie Christo und Jeanne-Claude, Richard Serra, Louise Bourgeois und Niki de Saint Phalle bis zu Superstars à la Jeff Koons, Anish Kapoor, James Turrell, Ron Mueck, Yayoi Kusama und Ai Weiwei. Landschaftskunst, Skulpturen, Indoor-Kunst und Installationen sind vertreten. Ein Kunstbuch, das spannende, amüsante und beeindruckende Kunstwerke präsentiert und erklärt.

 

The Andy Goldsworthy Project. - National Gallery of Art, 2010. - 209 S.02b_12_2015.jpg


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Der englische Künstler Andy Goldsworthy ist ein Vertreter der Naturkunst, einer Variante der LandArt. Er setzt Naturmaterialien zur Erstellung seiner Werke ein und dokumentiert diese fotografisch. Der englischsprachige Bildband dokumentiert die Skulpturen von Andy Goldsworthy, die über mehrere Kontinente verteilt sind. Und obwohl der Band komplett in englisch und nicht einfach zu lesen ist, ist er allein von den Bildern her ein Genuss. Für alle, die Landschaftskunst, Parks und Natur mögen.

 

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Andrea Däuwel-Bernd